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Heimatblatt 22 Lisdorf

 

Firma Rietmann seit 50 jahren auf geschichtsträchtigem

Boden in Lisdorf

 

In diesem Jahr kann die Firma Rietmann ihr 50jähriges Firmenjubiläum in Lisdorf feiern. Aus kleinsten Anfängen im Jahre 1967 hat sie sich in diesen 50 Jahren zu einem flo- rierenden mittelständischen Unternehmen mit mehr als 120 Mitarbeitern entwickelt, und die Zeichen stehen wei- terhin auf Wachstum. Die Entwicklung der Firma ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Firmengründer Theodor Riet- mann, der 2013 im Alter von 81 Jahren verstarb. Er wurde 1932 in dem kleinen Ort Grieth am Nieder- rhein, unweit von Kleve an der holländischen Gren- ze, in einer kinderreichen Familie geboren. Nach der Schule verließ er sein Elternhaus und erlernte das Bäckerhandwerk, das er in Frankfurt mit der Meisterprüfung abschloss. Außerdem absolvierte er eine Ausbildung zum Chemotechniker. Während seiner Gesellenzeit ging er auf Wanderschaft quer durchs Land. Nach der Meisterprüfung sammelte er zwei Jahre lang berufliche Erfahrung in Australien. Nach seiner Rückkehr heiratete er 1959 in Düsseldorf seine Ruth, mit der er 54 Jahre glücklich verbunden war und 4 Kinder bekam. Mut, Tüchtigkeit, Streb- samkeit, Durchhaltevermögen und ein gutes Gespür zeichneten ihn schon seit seiner Jugend aus. Als er 1967 die Chance bekam, in Lisdorf die leerstehende Kapellenmühle zu mieten, griff er zu. Die altehrwür- dige Getreidemühle, seit 1918 im Besitz der Familie Reinhardt aus der bayerischen Pfalz, war 1951 völlig abgebrannt und nicht wieder in Betrieb genommen worden. Theo Rietmann, damals 35 Jahre alt, wagte Firma Rietmann seit 50 Jahren auf geschichtsträchtigem Boden in Lisdorf das Abenteuer der Selbständigkeit und gründete in dem früheren Mühlenbetrieb die Firma „Theodor Rietmann GmbH, Labor und Werk“, die auf die Ent- wicklung und Produktion von Backmischungen aus- gerichtet ist. Zunächst startete Theo Rietmann unter einfachsten Bedingungen mit zwei Mitarbeitern in den gemieteten Räumen der alten Mühle. Mit der Entwicklung und Produktion von Backmitteln und Backmischungen für die Herstellung von qualitativ hochwertigem Brot, Kuchen und Gebäck hatte das junge Unternehmen eine Marktlücke entdeckt. Die Nachfrage nach seinen Produkten stieg kontinuier- lich, so dass Theo und Ruth Rietmann die Kapellen- mühle nicht nur käuflich erwarben, sondern auch ständig vergrößerte. Entsprechend stieg die Mitarbei- terzahl inzwischen auf mehr als 120. Heute vertreibt die Firma ihre Produkte weltweit, vor allem an Groß- bäckereien. Die zu verarbeitenden Rohstoffe werden ebenfalls weltweit bezogen. Neben ihren großen Produktions- und Büroräumen unterhält die Firma ein modernes backtechnisches und analytisches La- bor für die ständigen Rohstoff- und Produktanaly- sen. Desweiteren werden hier von spezialisierten Fachkräften ständig Backversuche vorgenommen zur Qualitätssteigerung, Produktentwicklung und Produktneuentwicklung. Es ist erstaunlich, wie sich die alte, abgebrannte Kapellenmühle im Laufe dieser 50 Jahre unter Theodor Rietmann zu einer hochmo- dernen Betriebsstätte entwickelt hat. Heute besteht die Geschäftsführung aus den Söhnen Stephan und Thomas sowie dem externen Geschäftsführer Faust. Auch Tochter Claudia ist im Betrieb tätig. Zum Firmenjubiläum ist eine Festschrift in Vorbereitung, in der nicht nur das unternehmerische Gesche- hen während der letzten 50 Jahre, sondern auch die historische Entwicklung der Kapellenmühle seit ihrer Errichtung durch die Abtei Wadgassen vor mehr als 300 Jahren nachzulesen ist. Da die Geschichte der Mühle und der früheren Kapelle im Bereich Grostrow für die Leser des Heimat- blattes wohl interessant sind, soll sie nachfolgend aufgezeichnet werden. In der Überschrift zu diesem Artikel ist bereits zum Ausdruck gebracht, dass die Fa. Rietmann sich auf geschichtsträchtigem Boden befindet. Der gesamte Oberbruch einschließlich der Bereiche, die heute als 

Grostrow und Kleintrow sowie Kapellenmühle be- zeichnet werden, gehörte der Prämonstratenser-Abtei Wadgassen, die 1135 gegründet wurde. Nach und nach wurden ihr Ländereien von Feudalherren ge- schenkt bzw. vererbt. Später wurden auch Flächen hinzugekauft, so dass die Abtei im Mittealter der weitaus größte Grundbesitzer in unserer Gegend war. Der jeweilige Abt war auch in Lisdorf Grund- Patronats-, Pfarr- und Gerichtsherr, das heißt, die Bürger hatten Frondienst zu leisten und Steuern und Abgaben zu zahlen. Das Abhängigkeitsverhältnis begründete eine gewisse Leibeigenschaft gegenüber der Abtei bzw. dem Abt. Nur wenige sog. „Freie Bür- ger“ waren davon ausgenommen. Dieser Zustand

 

Foto 1; heutige Ansicht der ehemaligen Kapellenmühle Foto:Harald Weiler

Foto 2; Ansicht der Betriebsgebäude der Firma Rietmann Foto:Harald Weiler 

dauerte in unserem Raum bis zur Französischen Re- volution (1789/90). Bis gegen 1600 bildeten die heutige Saarstraße (rue de la Sarre) und teilweise die Großstraße (grande rue) das südliche Ortsende von Lisdorf. In Höhe der Saarstraße befand sich damals eine zweite Fäh- re zwischen Lisdorf und Ensdorf, die vor allem von Kirchgängern aus Ensdorf genutzt wurde, wenn sie zu ihrer Pfarrkirche nach Lisdorf kamen. Von einer Besiedlung weiter südlich ist bisher nichts bekannt. Erstmals wird am 21.12.1708 von einer Lisdorfer Kapelle in diesem Bereich berichtet (Rupp/LHA Ko218/764S.33). Ob diese im Auftrag des Abtes Hermann Mertz (1705–1743) errichtet wurde oder bereits vor 1700 existierte, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass die Lisdorfer Kapelle im Be- reich Grostrow etwa 150 m von der späteren Mühle entfernt schon vor Hermann Mertz als einfache Ka- pelle errichtet wurde, so die Heimatforscher Johann Görgen und Hermann Rupp. Am 29.12.1706 erteilte Abt Hermann Mertz dem Zimmermann Hans Micha- el Sieberger den Auftrag zum Bau einer Walkmühle unterhalb der Kapelle, und zwar an der Stelle, an der sich heute die Fa. Rietmann befindet. Am selben Tag schloss der Abt mit mehreren Wollwebern aus Saar- louis einen Pachtvertrag über die Nutzung bzw. den Betrieb der Walkmühle. In Walkmühlen wurde aus Flachs und anderen Rohstoffen Leinen und andere Stoffe gewalkt (hergestellt). Um die Mühle mit einem Wasserrad antreiben zu können, wurde der von der Holzmühle kommende Mühlenbach, der ursprüng- lich durch die Holzmühler Straße – Deichlerstraße zwischen Wolff- und Machesstraße hindurch zu Saar floss, durch das Mittelbruch zum Grostrow und der neuerrichteten Mühle verlegt. Nachfolger von Abt Hermann Mertz war der Lisdor- fer Michael Stein. Er residierte von 1743 bis zu sei- nem Tod 1778. Kurz nach seiner Wahl zum Abt ließ er an der Stelle der kleinen Kapelle eine größere und schönere bauen. 1744 legte Abt Michael Stein den Grundstein zu dieser Kapelle, die 1746 fertiggestellt und am 2. Juli 1748 eingeweiht wurde zu Ehren des Namens Mariae (Marienkapelle). Nach H. Rupp ist über diese Kapelle zu lesen: a) bei Motte, Band II, S. 62 ff: „In kurzer Entfernung vom Ort, in der Nähe der Fähre befindet sich eine große und schöne Kapelle, geweiht der Hl. Jungfrau, erbaut 1744 und eingeweiht 1748.“ b) Im Kirchenbuch von Lisdorf: „Im Jahre 1744 am 2. Juli wurde von H.H. Michael Stein, Abt des Klosters Wadgassen, der Grundstein gelegt zu einer Kapelle und am gleichen Tag des Jahres 1748 wurde sie von dem gleichen Herrn Abt zu Ehren des Namens Mari- ae eingesegnet. P. Emmericus Graach“. Emmerericus Graach war von 1715–1759 Pastor in Lisdorf. Mit der Fertigstellung der Marienkapelle im Jahr 1746 wurde die nahegelegene Mühle (Walkmühle) der Ab- tei Wadgassen als Kapellenmühle bezeichnet. Später wurde sie in eine Getreidemühle umgewandelt. Das Gebiet, auf dem sowohl die Mühle als auch die Kapelle lagen, wird seit altersher als Grostrow be- zeichnet. Nach L. K. Balzer „Saarlouis 1964“ ist dort von der Saar Schwemmboden angetrieben worden. Das englische Wort to drive = treiben sei mit der Wortbildung verwandt. Dagegen war J. Görgen der Meinung, dass das Wort „Trow“ abgeleitet sei von „trou“ = Loch, was sich auf die zahlreichen Gräben und versumpften Stellen dieses tiefliegenden Gebie- tes nahe der Saar bezog (A. Finkenberg: „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegenwart“, S. 115). Nach der Umleitung des Mühlenbaches wurde das Gelände nördlich des neuen Bachlaufes (in Richtung Ortskern bzw. Saarstraße gelegen) „Klein-Trow“ und südlich davon „Gros-Trow“ genannt. Nach der Flurbezeich- nung „Gros-Trow“ heißt die Straße dort seit 1951 „Grostrowstraße“; zuvor hieß sie „Mühlenstraße“. Diese Änderung der Straßenbezeichnung wurde am 2. Juli 1951 im Stadtrat von Saarlouis beschlossen. Dass der schönen großen Kapelle der Abtei Wad- gassen in Lisdorf seinerzeit eine besondere Bedeu- tung beigemessen wurde, war sicherlich auch ein Verdienst ihres Erbauers Dr. Michael Stein, der aus Lisdorf stammte. Es wird berichtet, dass die Kon- ventalen des Klosters jährlich ein- bis zweimal eine Prozession von ihrer Abtei in Wadgassen zur Ma- rienkapelle in Lisdorf veranstalteten. Das sei auch nach dem Tode von Abt Stein beibehalten worden. Der Nachfolger von Stein war Peter/Pierre/Petrus Schmidt, der ebenfalls aus Lisdorf stammte. Er wur- de am 29.04.1738 als 4. Kind der Eheleute Andreas und Katharina Schmidt in Lisdorf geboren und später „Marchal“ genannt. Von 1774 bis 1778 war er Pas- tor der Pfarrei Lisdorf und starb 1783 im Alter von 45 Jahren im Kloster eines gewaltsamen Todes (s. Lisdorfer Heimatblatt Nr. 5 vom 5.6.2003, S. 27). Sein Nachfolger war Jean Baptiste de Bordier, gebo- ren in Saarlouis und wie sein Vorgänger, Abt Pierre Schmidt, französischer Staatsbürger. Während sei- ner Amtszeit brach 1789 in Paris die Revolution aus. Am 2.12.1789 erließ die Nationalversammlung ein Dekret, wonach die Klöster aufgehoben, die Mön- che und Priester von ihren Gelübden entbunden 

und die Güter der Geistlichkeit zur Disposition des Staates gestellt wurden (L. K. Balzer: „Saarlouis“, S. 173). Obwohl sich die Konventalen unter Abt Bordier diesen Anordungen widersetzten, wurde ihr Kloster von Revolutionären besetzt und teilweise zerstört. In der Nacht vom 4. zum 5. September 1792 konnten die Mönche über die Saar nach Bous flüchten und einige Wertsachen mitnehmen. Bous war deutsches Reichsgebiet und die Mönche somit gerettet. Von dort zogen sie in ihre Klosterniederlassung nach Ensheim. Abt Bordier gelang es zwar, die Mönche zusammen- zuhalten, er selbst aber zog als Vertriebener weiter in das Prämonstratenser-Kloster Strahow auf dem Hradschin in Prag, wo er 1799 starb. Die Güter des Klosters Wadgassen wurden nach 1792 von staat- licher Seite verkauft oder versteigert. So auch die Kapellenmühle und die Kapelle in Lisdorf. Die Kapellenmühle wurde zwischen 1792 und 1794 an einen Lisdorfer Bürger namens Morguet verkauft (Görgen S. 104 / Finkenberg S. 123). Vermutlich handelte es sich dabei um den Ackerer und Gärt- ner Anton Morguet, geb. am 31.07.1745, verst. am 26.12.1813 in Lisdorf und von 1795 bis 1809 Bür- germeister bzw. Maire von Lisdorf. Er gehörte auch dem ersten Kirchenbeirat nach den Revolutionsjahren (1804) unter Pastor Goby an. Die Marienkapelle in der Nähe der Kapellenmühle wurde im September 1794 auf Abbruch mit einem kleinen Garten und dazugehörigem Land an den Saarlouiser Bürger Claudius Rosat versteigert (Gör- gen S. 110 / Tritz S. 586 / Finkenberg S. 124). Dieser beseitigte die Kapelle umgehend und verkaufte das Land wohl als Bauland. Um 1800 taucht in diesem Gebiet kein Grundeigentümer namens Rosat auf (Görgen, S. 206/207). Mit der Enteignung, Verstaatlichung und Privati- sierung der Kapellenmühle waren ihre verbrieften Rechte als „Freimühle“ oder „Friedstätte“ und „Bann- mühle“ der Abtei Wadgassen erloschen. Freimüh- len bzw. Friedstätten gewährten Verfolgten Schutz und Asyl, solange sie sich dort aufhielten. Als von der Abtei ausgewiesene „Bannmühle“ waren alle in dem betreffenden Bann (Gemeinde Lisdorf) gebannt (verpflichtet), ihr Getreide dort mahlen zu lassen. Vor allem die Eigenschaft als Bannmühle verschaff- te der Kapellenmühle einen enormen, gesicherten Kundenstamm und erhebliche Wettbewerbsvorteile. 1832 wurde die Kapellenmühle an Johann Louis, einen Müller aus Püttlingen, verkauft. Dieser war verheiratet mit Angela geb. Quirin, die ebenfalls aus einer Müllerfamilie stammte. Sie hatten 7 Kinder. Der älteste Sohn, Matthias Louis, geb. 1852 in Lisdorf, bewirtschaftete die Mühle bis 1908. Seine Schwes- ter Elisabeth war in zweiter Ehe mit dem Lisdorfer Gutsbesitzer Friedrich Wilhelm Ruff verheiratet, seine Schwester Angela mit dem Schiffer und Kaufmann Johann Adam Lonsdorfer. Matthias Louis verkaufte die Kapellenmühle 1908 an das Bankhaus Albert und Albrecht Hanau in Straßburg. Dieses verpachtete die Mühle zunächst an Jakob Sommer, dann an den Lisdorfer Kaufmann Adolf Lonsdorfer (geb. 1892), dessen Mutter Angela Lonsdorfer geb. Louis aus der Mühle stammte. Adolf Lonsdorfer war mit Anna Groß-Breininger aus der Gastwirtschaft Breininger verheiratet, einer Tante des Berichtsverfassers Heiner Groß. Adolf Lonsdorfer war Pächter der Mühle bis 1918. Dann wurde sie erworben von Barbara und Franz Reinhardt, geb. 1887 als 5. Kind der Eheleu- te Philipp Reinhardt aus Niederkirchen in der Pfalz und Maria geb. Klein aus Lisdorf. Franz Reinhardt war verheiratet mit Barbara geb. Sieger (geb. 1891 in Lisdorf). Die Eheleute Philipp Reinhardt und Ma- ria geb. Klein hatten 11 Kinder. Das 8. Kind, Josef Reinhardt (geb. 1891), war verheiratet mit Maria Lonsdorfer und wohnte in einem Bauernhaus in der Grostrowstraße, wo er Handel und Gemüsebau be- trieb. Sein älterer Bruder Franz betrieb haupterwerb- lich die Mühle und nebenerwerblich Handel. Da ihre Vorfahren väterlicherseits aus der bayerischen Pfalz stammten, wurden Franz und Josef „Baya-Franz“ und „Baya-Schoss“ genannt. Der Mühlenbesitzer Franz Reinhardt hatte einen Sohn und Tochter. Sohn Josef, der das Mühlenhandwerk erlernte und Nachfolger im Mühlenbetrieb werden sollte, ist als Soldat in Sta- lingrad gefallen. Tochter Maria (geb. 1914) heiratete Eduard Spaniol aus der Holzmühler Straße in Lisdorf. Sie wohnten in ihrer Kapellenmühle, ohne diese aller- dings selbst zu betreiben. Als die Mühle 1951 nieder- brannte, zogen Eduard Spaniol und Ehefrau Maria geb. Reinhardt mit ihren Kindern Wolfgang (geb. 1938) und Maria-Elisabeth (geb. 1948) nach Püttlin- gen, wo Eduard Spaniol eine Stahlbaufirma betrieb. Sohn Wolfgang erbte die Firma und wanderte nach deren Konkurs mit seiner Familie nach Brasilien aus, wo er verstorben ist. Seine Schwester Maria-Elisabeth erbte die Kapellenmühle, die von ihrer Mutter Maria Spaniol-Reinhardt seit 1967 an die Firma Rietmann verpachtet war und nach der Übereignung auf ihre Tochter Maria-Elisabeth Bunk-Spaniol von dieser an die Eheleute Ruth und Theodor Rietmann verkauft wurde. Maria-Elisabeth Spaniol war verheiratet mit dem Automobil-Kaufmann Wolfgang Bunk, mit dem 

sie zwei Töchter hat. Jetzt lebt sie bei ihrer Tochter Saskia in der Nähe von Heidelberg. Ihre Mutter Ma- ria Spaniol geb. Reinhardt, die in der Kapellenmühle von 1918 bis zum Brand 1951 wohnte, lebt derzeit als 102jährige im Alten- und Pflegeheim St. Martin in Siersburg. Nach Berichten von Nachfahren der Mühlenbesit- zer florierte nach Aufgabe der Mühle durch Mat- thias Louis im Jahre 1908 der Betrieb nicht mehr so recht. Als Franz Reinhardt die Mühle 1918 kauf- te, sei sie in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand gewesen. Durch Ankauf von gebrauchten Geräten und Maschinen und Einbau in Selbsthilfe sei es Franz Reinhardt gelungen, die Mühle wieder funktionstüchtig zu machen. Doch der verheerende Brand 1951 habe alles zunichte gemacht. Die Nachfahren der Familie Reinhardt und viele Lis- dorfer freuen sich, dass es der Familie Rietmann in 50 Jahren gelungen ist, die Kapellenmühle zu einem derart florierenden Unternehmen zu machen, das mehr als 120 Menschen „Brot und Arbeit“ gibt. Ob- wohl sich der Gebäudekomplex der Firma Rietmann inzwischen sehr vergrößert hat, ist die naturnahe Gestaltung des ganzen Geländes beispielhaft und äußerst ansprechend. Der historische Name „Kapel- lenmühle“ wird durch das angrenzende Wohngebiet, das dort seit 1950 entstanden ist, mit dem Straßen- namen „An der Kapellenmühle“ gewahrt. (hg)

Kapellenmühle heute 1951 brennt die alte Getreidemühle ab und wird nach dem Brand nicht mehr in Betrieb ge­nommen. Dem früheren Mühlenbetrieb artverwandt beginnt 1967 das Unternehmen „Theodor Riet­mann GmbH. Labor und Werk“ mit der Entwicklung und Produktion von Backmischungen. Heute beherbergt die alte Mühle moderne Produktionsräume, Büros, ein backtechnisches und analytisches Laboratorium.

Zeichnung: R. Eisenbarth